Dieses Thema hat uns von der Animal Care DOGS Redaktion schon lange Zeit interessiert, da uns die Arbeit der Blindenführhunde mehr als beeindruckt und wir uns gefragt haben, wie ein Blindenführhund ausgebildet wird. Heute nun am TAG DES BLINDENFÜHRHUNDES gab es kein zurück, wir sprachen mit Birke Inka Bürger, Assistenzhundetrainerin, von der ASSISTENZHUNDESCHULE NORD.

Die Assistenzhundeschule Nord bildet seit 15 Jahren u.a. Blindenführhunde aus. Die Ausbildung eines solchen Hundes dauert in der Regel zwei Jahre, basiert auf positiver Verstärkung  und wird von entsprechend qualifizierten Hundetrainern durchgeführt. Hierbei haben wir gelernt, dass über 150 erlernte Kommandos für einen Blindenführhund nichts Besonderes sind.  Ein guter Blindenführhund arbeitet sehr selbstständig mit dem Ziel, seinem sehbehinderten Menschen das Augenlicht zu ersetzen. Er erkennt z. B. die verschiedensten Hindernisse wie Bodenlöcher, Baustellen, Treppen, Bordsteine oder herabhängende Zweige und weicht diesen selbstständig aus oder zeigt sie dem Blinden an.  Er kann links von rechts unterscheiden und eigenständig die Wege zum nächsten Supermarkt oder der Bushaltestelle finden.

“Wir bilden Hunde aller Rassen sowie Mischlinge aus. Entscheidend für die Eignung ist ein gutes Sozialverhalten gegenüber Mensch und Tier, Belastbarkeit in Stresssituationen, körperliche Gesundheit und die Freude am Lernen und Ausführen von Signalen. Besonders wichtig in unserer Arbeit ist auch, dass wir immer versuchen, dem zukünftigen Hundebesitzer einen frühestmöglichen Trainingseinstieg zu bieten. Das bedeutet, dass wir das Training in der Schule nur so lange alleine durchführen, bis der neue Halter in der Lage ist, seinen Hund unter unserer Anleitung selbst auszubilden. Dadurch erreichen wir eine besonders harmonische Teambildung und enge Beziehung zwischen Hund und Halter. Er muss schließlich die Führsignale geben und das Handling beherrschen. Auch wenn er sich führen lässt, bleibt er der Hundeführer.“ unterstreicht Birke Inka Bürger.

Wichtig ist aber auch, dass nicht jeder sehbehinderte Mensch einen Führhund halten kann. Er muss ein Tierfreund sein und seinem Vierbeiner nach der „Arbeit“ auch  Freizeit und soziale Kontakte ermöglichen. Körperliche Fitness und ein guter Orientierungssinn sind ebenfalls wichtig. Nur in Ausnahmesituationen, wenn der Mensch z.B. ein herannahendes Auto nicht wahrnimmt, darf ihm der Hund den Gehorsam verweigern – und ihn damit vor der Gefahr schützen.

Auch wenn Hund und Halter nach einer Gewöhnungszeit perfekt harmonieren, sind sie auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen. Daher ist es total wichtig, wenn ein Blindenführhund im Dienst ist, das erkennt ihr an einem weißen Führgeschirr, er bitte nicht gestreichelt oder gar gefüttert werden darf! Wenn ihr selbst einen Hund besitzt, leint ihn an und führt ihn mit Abstand an dem Gespann vorbei. Gespielt wird nach der Arbeit! Der Führhund muss sich auf seine Arbeit konzentrieren und jede Ablenkung kann die Sicherheit seines sehbehinderten Halters gefährden.

Wir danken Frau Bürger für das Gespräch und wünschen ihr und ihrem Team weiterhin viel Erfolg in ihrer Arbeit.